Gedichte - und noch dies...


Fragen

Wir lernen Französisch,
damit wir unsere Landsleute und ihre Kultur verstehen;
wir lernen Englisch,
weil das die wirtschaftlichen Verhältnisse erfordern;
wir lernen Grammatik, Interpunktion und Orthographie,
weil dies zur Allgemeinbildung gehört.

Wo aber lernen wir mit jenen sprechen,
die uns ganz nahe stehen;

wo und wie lernen wir sagen,
dass wir uns angegriffen und verletzt,
niedergeschlagen und einsam fühlen;
müde oder verzweifelt,
traurig oder glücklich sind;

wo lernen wir sagen,
was wir wünschen und brauchen;

wo lernen wir,
welche Form wann angemessen,
welche Zeichen wann gesetzt
und wie wir etwas sagen müssen,
damit unser Gegenüber zuhört und versteht
und versucht zu sagen,
was ihm wichtig ist;

und wo lernen wir zuhören und verstehen,
was unser Gegenüber sagt oder sagen will
und annehmen,
dass es manchmal richtig ist
zu schweigen und zu warten,
bis sich alles beruhigt hat?


Im Seniorenheim

Der alte Mann kritzelt ihren Namen auf ein Papier,
malt mit zittrigen Händen ein Herz darum,
schaut es lange an und lächelt zufrieden,
summt ein altes Liebeslied
und ist selbst überrascht, dass er es noch kennt.

Er rasiert sich besonders genau,
schaut mehr als einmal in den Spiegel,
zieht schon wieder ein sauberes Hemd an,
braucht zum ersten Mal die Handcreme,
die er vor langer Zeit bekommen hat.

Er freut sich an jeder Kleinigkeit,
erinnert sich an das letzte Treffen mit ihr,
die feine Berührung, den zarten Kuss,
spürt sein Herz klopfen und kann kaum warten,
bis er sie wieder sieht.

Manche lächeln über ihn, den Alten frisch Verliebten,
der auf einmal ganz anders ist,
Hand in Hand mit ihr spazieren geht,
immer neben ihr sitzt
und auf einmal so gepflegt daher kommt.

Ihm ist es egal, vielleicht ist es wirklich verrückt,
dass er nochmals lieben kann und geliebt wird.
Alles ist anders, alles fällt ihm leichter,
er ist unendlich dankbar, geniesst das Glück.
Auch Neider und Spötter können es ihm nicht nehmen.


BV, der beste Koch der Welt,
hat sich das Leben genommen.
Diese Nachricht macht Schlagzeilen.
Niemand kann verstehen,
was wohl der Grund war.
War es der Druck,
der Beste sein und bleiben zu müssen?

Einmal mehr wird uns bewusst:
Wir wissen nie,
was in einem Menschen vorgeht.
Hinter Reichtum und beruflichem Erfolg,
hinter Ansehen und Macht
ist vielleicht grenzenlose Angst,
Einsamkeit und Verzweiflung.

Ich bin dankbar
für jede ehrliche Begegnung,
jedes offene Gespräch,
jedes einfühlsame Dasein,
jedes verständnisvolle Mitdenken
und will mich einsetzen,
damit Du bei mir Du sein kannst.

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