unterwegs mit andern


Leben - trotz allem

Ich liebte dich,
wollte mit dir leben,
alles mit dir teilen,
dir zeigen, wie ich fühle und denke;

ich sagte, was mir wichtig ist,
was mich beschäftigt und verletzt,
was ich wünsche und brauche,
nahm an, wenn du schwiegst;

ich versuchte zu spüren,
wie du denkst und fühlst,
was dir wichtig ist und was dich stört,
was dich freut und was du meidest;

 und immer wieder merkte ich,
dass ich dich trotz aller Bemühungen nicht verstehe,
die richtigen Worte nicht finde,
den richtigen Zeitpunkt nicht treffe,
dass du nicht zuhörst und nicht sprechen willst,
mich zurückweist und verärgert reagierst;

ich hatte immer mehr Angst, dich anzusprechen,
zu sagen, was mir wichtig ist,
fühlte mich allein und bedauerte,
dass wir über vieles nicht reden können,
einander nicht mehr nahe kommen,
immer mehr eigene Wege gehen.

 Jetzt sage ich vieles nicht mehr,
meide, was letztlich wichtig wäre,
merke, dass keine Nähe mehr möglich ist,
bin traurig, dass dir scheinbar gar nichts fehlt,
obwohl wir nichts mehr miteinander teilen.

 

Ich bin enttäuscht, muss annehmen, was ist,
suche neue Wege,
bin dankbar für jede Begegnung,
freue mich an dem,
das trotz allem gelingt.


Lieben

Dir feinfühlig begegnen,
dich immer wieder neu sehen,
deine Einmaligkeit entdecken,
dich bedingungslos annehmen,

eine Atmosphäre schaffen,
da wachsen kann, was angelegt,
stark wird, was schwach ist
und Angst keine Chance hat.

Loslassen und zulassen,
verstehen wollen und vertrauen,
dass du deinen Weg findest,
dein Ziel erreichst.


Aussätzige heute

Sie brauchen keine Klapper,
bleiben selbst auf Distanz,
weil sie Angst haben,
erneut abgewiesen,
verhöhnt und verspottet,
gekränkt und verletzt zu werden.

Sie brauchen keine Klapper,
weichen allen Blicken aus,
weil sie nicht glauben können,
Menschen zu treffen,
die sie anhören und verstehen,
annehmen und aufnehmen.

Sie brauchen keine Klapper,
sie brauchten Menschen,
die innehalten und Distanz überwinden,
Mauern brechen und die Hand anbieten,
geduldig warten und ermutigen,
liebevoll da sind und zärtlich berühren.



Perlen

Ich bin dankbar für
den freundlichen Gruss,
die ehrliche Nachfrage,
den wohlwollenden Rat,
das kurze Gespräch,
die unerwartete Mail,
die zärtliche Berührung.

Sie ermutigen und stärken mich,
alles anzunehmen,
was mich fordert und belastet.


 

Ich fühle mich verbunden
mit fragenden, suchenden,
zweifelnden Menschen,
die unterwegs bleiben
ohne die trügerische Sicherheit
zu wissen, was nachher ist.

Ich fühle mich verbunden
mit vertrauenden Menschen,
die immer wieder straucheln,
Ziele nicht erreichen,
Fehler machen
und trotzdem nicht aufgeben.


Ich will den ersten Schritt tun,

Distanz überwinden;

 

die Hand anbieten,

Kontakt ermöglichen;

das Schweigen brechen,

Brücken bauen;

 

dir in die Augen sehen,

meine Bereitschaft zeigen.

(Aus: Dem Glück auf der Spur)



Bejahende Blicke,
geduldiges Zuhören,
verständnisvolles Warten,
rücksichtsvolle Fragen,
einfühlsame Hinweise,
angemessene Hilfen,
anerkennende Rückmeldungen,
zärtliche Berührungen

vermindern Ängste,
stärken Vertrauen,

ermöglichen neues Leben.


Es ist ein grosses Geschenk,
mit Menschen zusammen zu sein,
die nicht darauf aus sind,
immer mehr zu haben,
sondern unterwegs sind zu sich selbst;

Menschen,
die das Wesentliche suchen,
entfalten wollen, was angelegt ist;

die aufeinander hören
und voneinander lernen wollen;

die aufeinander zugehen
und für Mitmenschen einstehen;

die ihre Gefühle zeigen
und so Offenheit ermöglichen;

die herzhaft lachen können
und Trauer verstehen;

die Herausforderungen annehmen
und an ihnen wachsen;

die das Leben geniessen
und für jeden Tag dankbar sind.

Menschen, die wissen,
dass sie ihrem Leben nicht mehr Tage,
aber ihren Tagen mehr Leben geben können.


Ich freue mich,

wenn du bei mir bist,

aber

 

hilf mir nicht,

wenn ich es selber kann,

auch wenn es lange dauert;

gib mir nicht,

was ich selbst nehmen kann,

auch wenn ich mich anstrengen muss;

stütze mich nicht,

wenn ich selbst stehen kann,

auch wenn es mich fordert;

hole mir nicht,

was ich selbst erreichen kann,

auch wenn ich Umwege mache;

sage mir nicht,

was ich selbst erkenenn kann,

auch wenn ich es nicht so klar sehe.

Lass mir Raum,

lass mir Zeit,

lass mir die Möglichkeit,

selbst zu suchen,

seölbst zu finden,

selbst zu tun,

meine Möglichkeiten zu entfalten,

ich selbst zu sein.

 

(Aus: Miteinander wachsen, vergriffen)


 Wir brauchen Menschen,
die zu uns ja sagen,

uns annehmen wie wir sind,
uns so begegnen,

dass wir wagen,
Gefangenes zu befreien,
Verschüttetes freizulegen,

Angst abzubauen
und Vertrauen wachsen zu lassen.
Wir brauchen Menschen,
die verstehen,
dass manches nicht gelingt;
die uns unterstützen und begleiten,
ermutigen und stärken.

Und wir können anderen
dieser Mensch sein.


Neues ermöglichen

 

Du sagst nur,
was andere befehlen,
fordern, erwarten, wünschen;

du sagst nur,
was andere sagen
machst nur,
was andere verlangen;

du sagst nicht,
was dich berührt,
was du fühlst und denkst,
was du brauchst und wünschst;

du setzest deine Grenzen nicht,
leidest still,
weil du nicht ernst genommen und nicht verstanden,
übergangen und überfordert wirst.

Ich will auf dich zukommen,
dich einfühlsam ansprechen,
geduldig warten,
die Hand anbieten,

hoffen, dass du wieder an dich glaubst,
deine Fähigkeiten und Möglichkeiten siehst,
zu dir stehst und dich eingibst,
auch wenn andere anders denken.


 Auch wenn wir uns noch so sehr bemühen,
den richtigen Zeitpunkt und die richtige Dosis wählen,
alle Einflüsse berücksichtigen,
wird vieles nicht gelingen.

Manche Aussagen werden nicht verstanden,
Vorschläge zurückgewiesen,
Hilfen abgelehnt.

Vieles aber wird wirken,
ohne dass du es weisst,
vielleicht später als du erhoffst,
anders als du erwartest.

Du darfst gewiss sein:
Alles, was du liebevoll machst,
ist nicht umsonst.


Ich bin langsamer,
aber schnell genug;
weniger stark,
aber belastbarer;
eher müde,
aber geduldiger;

weniger fordernd,

 

grosszügiger.

Ich habe weniger Verpfichtungen,
dafür mehr Freiheit;
weniger Pläne,
dafür mehr Erinnerungen;
weniger Kollegen,
dafür mehr Freunde;
weniger Erwartungen,
dafür mehr Zufriedenheit.

Ich bin weniger hektisch,
viel gelassener,
dankbar
für alles, was gewachsen ist,
für alles, was wächst.


Ich glaube, dass

echte Anteilnahme
Beziehungen stärkt;

ruhiges Dasein
Neues schafft;

liebevolle Blicke
Zögernde ermutigen;

aufmerksames Zuhören
Gespräche fördert;

geduldiges Warten
Wunder wirkt;

wohlwollende Kritik
Fortschritte ermöglicht;

zärtliche Berührungen
Wunden heilen;

ehrliche Bestätigungen
Selbstwert steigern;

behutsame Hilfen
Zweifel beheben;

feinfühlende Worte
Erstarrtes bewegen.

Ich glaube, dass
es vor allem wichtig ist,
hier und jetzt offen zu sein,
und anzunehmen, was ist.


Ehrfürchtig begegnen

Ich werde wohl nie ganz wissen,
was in dir geschieht,
was dich veranlasst, so zu entscheiden,
was du brauchst,
was hilfreich wäre,
was für dich wichtig und richtig ist.

Ich will mich bemühen, dich zu verstehen,
offen sein und geduldig zuhören,
annehmen, wenn es mir nicht gelingt;
mich hüten, dir zu raten,
wie du sehen und werten,
was du sagen und tun musst.

Ich will mich bemühen, einfühlend da sein,
dir Zeit lassen, so viel du brauchst,
nicht drängen und nicht fordern,
für dich da sein,
damit du nach und nach wagst,
du selbst zu sein.

Je besser ich mich selbst kenne,
mir bewusst bin, wie vieles nicht gelungen,
wie oft ich trotz gutem Willen Ziele nicht erreichte;
je mehr ich sehe, wie oft ich kläglich versagte,
desto leichter fällt es mir,
dich bedingungslos anzunehmen.


Was brauchen wir?

Tröstende Worte
statt harte Befehle;
wohlwollende Anteilnahme
statt vernichtender Kritik;
geduldiges Dasein
statt dauernder Hetze;
gewährendes Loslassen
statt ängstliches Festhalten;
ermutigendes Fördern
statt unsinniges Fordern;
einfühlsames Verständnis
statt vorschnelles Urteilen;
liebevolle Unterstützung
statt distanziertes Zuschauen;
zärtliche Berührungen
statt hartes Durchgreifen.

Wir brauchen Menschen,
die zu uns ja sagen,
obwohl wir nicht so sind
wie sie uns haben wollen.


Stammtisch

Sie treffen sich regelmässig,
wenn immer möglich
am gleichen Ort zur gleichen Zeit.
Sie kennen einander,
wissen, wo sie wohnen,
bei wem sie arbeiten,
wer ledig und wer verheiratet ist,
welche Partei sie wählen,
welchen Verein sie unterstützen
und welches Auto sie fahren.

Sie sprechen über Sportresultate,
diskutieren Schiedsrichterentscheide,
schimpfen über die Behörden,
die in Wirklichkeit keine Ahnung haben,
fragen sich, woher das Geld stammt,
das der Neuzuzüger in seinen Bau investiert,
prahlen über ihren Erfolg bei Frauen
und erzählen, wer bei wem jetzt ein und aus geht.

Das alles ist ihnen wichtig,
und sie möchten diese Runde nicht missen.
Aber sie sagen nicht,
wenn sie traurig sind,
wovor sie Angst haben,
worunter sie leiden.
Das alles sagen sie nicht,
wagen sie nicht zu sagen,
das will niemand wissen.

Sie kennen einander,
brauchen einander,
brauchen jemanden,
der die Neuigkeiten kennt und zuhört.
Sie wissen, wie die anderen heissen,
aber sie bleiben einander fremd.


Es ist ein grosses Geschenk,
mit Menschen zusammen zu sein,
die nicht darauf aus sind,
immer mehr zu haben,
sondern unterwegs sind zu sich selbst;

Menschen,
die das Wesentliche suchen,
entfalten wollen, was angelegt ist;

die aufeinander hören
und voneinander lernen wollen;

die aufeinander zugehen
und für Mitmenschen einstehen;

die ihre Gefühle zeigen
und so Offenheit ermöglichen;

die herzhaft lachen können
und Trauer verstehen;

die Herausforderungen annehmen
und an ihnen wachsen;

die das Leben geniessen
und für jeden Tag dankbar sind.

Menschen, die wissen,
dass sie ihrem Leben nicht mehr Tage,
aber ihren Tagen mehr Leben geben können.


Am Grab der Mutter

Es ist gut,
dass wir nicht wissen,
wann unsere letzte Stunde ist,
wo wir dann sein werden,
wie sehr und wie lange wir leiden müssen,
wie wir sterben,
wer dann an unserer Seite ist,
und ob wir bewusst Abschied nehmen können.

Es ist gut,
dass wir das alles nicht wissen,
wichtig ist mir, dass ich jetzt
das Positive sehe,
Beziehungen pflege,
meine Möglichkeiten einsetze,
verantwortungsvoll lebe
und dankbar bin.

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