unterwegs zu sich selbst


Vom Herbst lernen

loslassen,
was ich nicht mehr brauche

frei werden,
 damit Neues werden kann,

ruhen
und wieder bereit werden,

geschehen lassen,
was unvermeidlich

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Du staunst,

wie Mitmenschen dich sehen,
was sie sehen und nicht sehen,
was sie loben und tadeln,
was sie erwarten und dir zumuten.

Nimm es zur Kenntnis,
lass sie reden,
schliesse die Augen,
versuche zu sehen,
was du  zutiefst bist:

ein Mensch
der manches weiss und kann,
vieles nicht weiss und nicht kann;

ein Mensch
mit Wünschen und Bedürfnissen,
Vorstellungen und Zielen;

ein Mensch
mit Fehlern und Mängeln,
Ecken und Kanten;

ein Mensch,
abhängig und angewiesen,
hoffend und vertrauend;

ein Mensch,
bewundernd und staunend,
fragend und zweifelnd,
demütig und dankbar,

ein Mensch,
wie viele andere
und doch ganz und gar einzigartig.

Wie immer dich  andere sehen:
Nimm es zur Kenntnis,
sei gut zu dir,
werde nicht überheblich und eitel,
sei selbstkritisch und wohlwollend,
nimm an, was ist,
bleibe unterwegs,
ehrlich und echt,
dir selber treu.


Wenn alles gelingen muss,
nur das Beste genügt
und nur das Vollständige zählt,
nur das Schnellste gesehen
und das Schönste anerkannt,
nur das Perfekte befriedigt
und nur das Vollkommene
berücksichtigt wird,
machen wir einander
das Leben zur Hölle.

Wir werden sehr viel erreichen,
zufrieden und glücklich sein,
wenn wir anerkennen, was ist
statt auflisten, was fehlt;
wenn wir tun, was wir können,
statt fordern, was unmöglich ist;
wenn wir einander dankbar sind,
statt meinen, alles sei selbstverständlich.

Wir werden sehr viel erreichen,
alles haben, was wir brauchen,
alles erledigen können, was wir müssen,
wenn wir ja sagen,
ja sagen zu unseren Fehlern und Mängeln
und uns freuen an dem, was gelingt.


Ich glaube,
dass ich sein darf wie ich bin.
Ich muss mich nicht mit andern vergleichen,
nicht mehr tun,
als mir entspricht;
nicht mehr erreichen
als meine Kräfte zulassen.

Ich habe viele Pläne,
Vorstellungen und Wünsche,
Bedürfnisse und Sehnsüchte.
Sie lassen mich vorwärts blicken,
doch, was wirklich wird,
weiss ich nicht.

Nicht was ich erreichen werde,
nicht, was alles erfüllt wird, ist wichtig,
sondern, dass ich jeden Tag gestalte,
meine Möglichkeiten einsetze
und annehme, was ist.


Ich will meine Möglichkeiten entfalten,
meine Fähigkeiten einsetzen,
auf Mitmenschen zugehen,
das Gespräch pflegen,
mit Schwierigkeiten rechnen,
Lösungen suchen,
Grenzen annehmen,
Bedürftigen helfen,
Schwaches stärken
Verantwortung übernehmen,
mich an Schönem freuen,
mir treu bleiben
und dankbar sein.

Dies alles nicht,
damit ich einst in den Himmel komme,
sondern, weil es meine Aufgabe ist,
dieses Leben zu leben,
Leben zu ermöglichen,
beizutragen für eine bessere Welt.

Wenn mir dies gelingt,
werde ich schliesslich sagen können:
Es war gut so,
ich habe gelebt,
und vielleicht habe ich Spuren hinterlassen,
die jemandem wichtig sind.


Es gibt sie wirklich
bei den Verkehrsbetrieben Luzern,
die Endstation „Friedental“ beim Friedhof,
wo es jeweils heisst:
Alles aussteigen.

Es gibt sie wirklich
bei uns allen,
die Endstation „Friedhof“,
wo es heisst:
Endgültig aussteigen.

Wir wissen es,
auch wenn wir nicht gerne daran denken,
wissen aber nicht,
wie lange die Fahrt dauert,
wann wir dort ankommen.

Ich will die verbleibende Zeit geniessen,
oft anhalten, aussteigen,
mich umsehen, zurückblicken,
den Standort bestimmen,
auftanken.

Ich weiss,
dass ich manches versäumt habe
und vieles nicht gelungen ist,
freue mich an dem, was ich erreicht habe,
danke für dieses Leben.

Ich fahre weiter,
an Erfahrungen und Erkenntnissen reicher,
zufrieden und gelassen
nehme ich an, was ist, was wird,
sage ja zu jedem Tag.


Ich will

mich bemühen,

über meinen Schatten springen

 

Schritte wagen,

auch wenn der Weg steil und steinig ist

 

trotz Enttäuschungen

die Blumen am Wegrand sehen

 

und mich freuen

 an dem, was gelingt.


Neues ermöglichen

Auch wenn du nicht siehst,
dass dein Einsatz sich lohnt,
ich sehe es,
und ich zeige dir,
dass ich es sehe.

Auch wenn du nicht hörst,
dass Menschen sich positiv äussern,
ich höre es
und sage es dir.

Auch wenn du nicht glaubst,
dass in dir alles ist,
was du zum Leben glaubst,
ich glaube es
und will alles tun,
dass du es nach und nach entdeckst.


Ich will still werden
und wage zu träumen
von glücklichen Menschen,
fördernden Beziehungen,
erfülltem Leben.

Ich will still werden
und spüre tief in mir
ungeahnte Möglichkeiten,
Wünsche und Bedürfnisse,
die Freude am Leben.

Ich will still werden
und lerne ja sagen:
ja zu meinen Visionen,
ja zu meinen Grenzen,
ja zu meinem Weg.

Ich will still werden
und Leben fördern:
das Feine wahrnehmen,
das Zarte schützen.

das Kleine wachsen lassen.

(Aus: Einander Engel sein")


Ich darf zu mir stehen

 

zu meinen Möglichkeiten

und zu meinen Grenzen;

zu meinen Gedanken

und zu meinen Fantasien;

zu meinen Stärken

und zu meinen Schwächen;

zu meinen Wünschen

und zu meinen Bedürfnissen;

zu meinen Sehnsüchten

und zu meinen Visionen.

 

Ich muss zu mir stehen,

damit ich bestehen

und weitergehen kann.

(Aus: Dem Glück auf der Spur)


Wehre dich,

wenn man von dir verlangt,

dass du

 

dir mehr auflädst

als du tragen kannst

 

länger gehst

als du magst

 

mehr sagst

als dir entsprocht

 

länger zuhörst

als dir gut tut

 

mehr gibst

als du hast

 

mehr hilfst

als dir möglich ist.

 

Wehre dich,

lass dich nicht überfordern

fordere, was dir entspricht

(Aus: Einander Engel sein)


Würdiger Greis

Deine Welt ist kleiner geworden:
die Augen trüb,
die Ohren beinahe taub,
die Stimme leise;

du hast weniger Kraft,
bist eher müde,
meidest grosse Gruppen;

aber deine Ausstrahlung,
die schon immer gross war,
 ist unaufhörlich gewachsen:
deine  Ansichten beeindrucken,
deine Geduld ist bewundernswert,
deine Dankbarkeit grenzenlos.

Dein Dasein,
deine Gelassenheit
fordern mich auf innezuhalten,
manches zu überdenken,
mehr zu leben.
 


Die letzten Worte

Ich werde wohl nie wissen,
welches meine letzten Worte sein werden.
Wenn ich sie heute sagen müsste,
wäre es klar:

„Danke“ würde ich sagen,
danke für dieses Leben,
für all die Begegnungen und Gespräche,
für die Herzlichkeit und Zärtlichkeit,
für die Geduld und die Nachsicht.

Und „Verzeih mir“ würde ich sagen,
verzeih mir,
wenn ich dir Unrecht getan,
dich übersehen oder überhört,
deine Bemühung nicht geschätzt habe.

Und „Es war gut so“ würde ich sagen,
es war gut so,
ich habe mich bemüht,
mein Leben gelebt,
versucht, mir treu zu sein.


„Es war gut so“, würde ich sagen,
Es war gut, auch wenn nicht alles gut war.
Schön, wenn du auch morgen an mich denkst,
nicht vergisst, was mir wichtig war
und dich freuen kannst an dem, was war.


Wie viel ruhiger würde unser Leben,

wenn wir uns

nicht hetzen und drängen liessen;

nicht meinten,

alles hänge von uns ab;

 

wie viel entspannter würde unser Leben,

wenn wir darauf verzichteten,

uns mit andern zu vergleichen;
uns nicht Ziele setzten,.

die ausserhalb unserer Möglichkeiten liegen;

 

wie viel wesentlicher würde unser Leben,

wenn wir darauf vertrauen würden,

dass wir sein dürfen wie wir sind

und wachsen liessen,

was in uns angelegt ist.

Wie viel schöner würde unser Leben,

wenn wir in uns und unseren Mitmenschen

das ganz Besondere und Einmalige sehen

und einander ermutigen würden,

einfach zu sein? 


Wenn wir annehmen,

dass manches nicht geschätzt wird;

verstehen,

dass manches nicht gelingt;
zulassen,

dass vieles nicht entspricht;

begreifen,

dass Fehler unvermeidbar;

einsehen,

dass der Wille allein oft nicht genügt;
zugeben,

dass vieles mangelhaft ist,

entsteht eine Atmosphäre,

wo Menschen wagen

zu sagen, was sie denke,

zu tun, was sie können,

zu sein, wie sie sind
(Aus: Dem Glück auf der Spur)


Nicht die Gruppe,

zu der du dich zählst;

nicht der Reichtum,

den du  angehäuft;

nicht die Macht,

die du  erkämpft;

nicht das Wissen,

das du erworben;

 

nicht das Ansehen,

das dir entgegengebracht wird,

ist entscheidend.

Entscheidend ist,

dass du auf andere Menschen zugehst,

sie wahr- und annimmst,

deinen Teil beiträgst,

verantwortungsvoll handelst,

bist, was du sein kannst,

liebst,

dein Leben lebst und

Menschlichkeit förderst.


Ich glaube an den Engel,

 

der mich anspricht,

wenn ich es gar nicht erwarte;

mich aufmuntert,

wenn ich traurig bin;

mich fordert,

wenn ich bequem werde;

 

mich ermutigt,

wenn ich Angst habe;

mich zurückhält,

wenn ich voreilig bin;

zu mir steht,

wenn ich einsam bin;

mir Möglichkeiten zeigt,

wenn ich zweifle.

Ich danke dem Engel,

der mir sagt:
Sei du selbst!

 

(Advent 2013)


Pflicht

Alles bekämpfen,
was Entfaltung behindert.

Alles unterstützen,
was Entwicklung fördert.

Alls tun,
damit wir das werden,
was wir letztlich sein können.

(Aus: Einander Engel sein)


Jetzt, da das Ende naht,
brauchst du vieles nicht mehr,
was dir einst wichtig war:
Erfolg und Anerkennung,
Geselligkeit und Humor,
Reisen und Sport;

jetzt, da das Ende naht,
brauchst du Menschen,
die dir geben,
was du unbedingt brauchst;
dich liebevoll pflegen,
die Hand halten und einfach da sind.

Jetzt, da das Ende naht,
brauchst du das,
was du immer gebraucht hast
und was wir alle immer brauchen:
Liebe, die trägt,
wohlwollende Anteilnahme,
und stärkenden Halt.

 


Ich glaube,
dass ich sein darf,
wie ich bin.
von Anfang an so gedacht,
so gewollt.

Meine Aufgabe ist es
zu entdecken und zu entfalten,
was angelegt ist;

anzunehmen, was ist,
auch wenn ich manches nicht verstehe;

einzustehen für das,
was ich zutiefst empfinde,
auch wenn es manchen nicht gefällt.

Ich will ehrlich sein zu mir selbst.
mir nichts vormachen
und mich nicht täuschen lassen.

Ich werde mich wehren
gegen alle,
die mir sagen, wie ich sein müsste,
 und gegen alles,
was mich von meinem Weg abbringt.


Ich vertraue der Stimme tief in mir,
die mir immer wieder sagt:
Du darfst sein wie du bist.


Es geht nicht darum,
alles richtig zu machen;
es geht erst recht nicht darum,
es allen recht zu machen.
Es geht darum
zu leben;
das zu tun,
was uns entspricht;
das zu werden,
was wir sein können.


Gelassenheit

Ruhig werden,
offen sein,
wahrnehmen, was ist,
geschehen  lassen,
annehmen, was wird,
auch wenn ich es nicht verstehe.
Meinen Teil beitragen,
darauf vertrauen,
dass wächst,
was wachsen muss.
Dankbar sein.


Je mehr ich es wage,
mich ohne verzerrende Brille anzusehen
und mich bedingungslos anzunehmen;

je mehr ich mich freue
an meinen Plänen und Zielen,
meinen Möglichkeiten und Fähigkeiten;

je mehr ich ja sage
zu meinen Unsicherheiten und Grenzen,
zu meinen Schwächen und Fehlern,

desto besser kann ich Mitmenschen verstehen,
ihre Meinung annehmen
und ihre Überzeugung stehen lassen.

Mein Leben ist reicher geworden.
Dankbar nehme ich an, was geschieht
und trage bei, was ich kann.


Ich will,
dass du bist,
was du letztlich sein kannst.

Vergiss alles,
lege alles ab,
was du lernen musstest,
obwohl es dir nicht entsprach;
was du machen musstest,
obwohl es dir zuwider war;
was du glauben musstest,
obwohl du es nicht glauben konntest;
was du annehmen musstest,
obwohl es nicht passte;
was du ertragen musstest,
obwohl es deine Kräfte überstieg;
was aus dir einen andern machte
als du wirklich bist.

Sei du selbst,
lebe dein Leben.

(Gedanken zu  Mk 1, 40-45)

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