Gedichte - Religiöse Fragen


Jesuanisch leben

Ein gutes Gespräch war ihm wichtiger
als eine aufgeräumte Wohnung
und perfekte Bewirtung.

Er sah in Frauen,
die wegen ihres Lebenswandels verachtet waren,
Menschen, die sich nach Liebe sehnen.

Er sprach mit Männern,
die sich zu Unrecht bereichert hatten,
und liess sie erleben, was wirklich zählt.

Es war ihm wichtig,
dass alle zur Gemeinschaft gehörten,
und er bemühte sich um Verirrte.

Er forderte die Gesetzeshüter auf,
zu sich selbst ehrlich zu sein,
bevor sie andere verurteilen.

Er wehrte sich gegen die Scheinheiligen,
die sich ihrer Taten brüsteten,
letztlich aber lieblos und hart waren.

Er wollte,
dass alle haben, was sie brauchen,
und zeigte, was Barmherzigkeit ist.

Er sah die Menschen in Not,
nahm liebevoll Anteil
und heilte durch sein Dasein.

Er schaffte eine Atmosphäre,
in der Menschen wagten zu sein,
wie sie letztlich sind.

Er gründete keine Kirche,
sagte aber mehr als einmal:
Geht hin und tut desgleichen!

Pfingsten 2017

Es heisst,
sie hätten damals die Angst verloren,
seien mutig und stark geworden,
sie hätten ihr Versteck verlassen,
seien vor das Volk getreten,
hätten mit feurigen Worten gesagt,
was sie erlebt haben,
was ihnen wichtig ist
und wovon sie überzeugt sind.

Viele Leute waren ergriffen
von dem, was diese Männer sagten,
und sie staunten über ihre Sprache
die alle verstanden.

Die begeisterten Männer begeisterten,
machten Neues möglich.

Auch wir brauchen einen neuen Geist
damit wir die Angst verlieren,
mutig und stark werden,
für unsere Überzeugung einstehen,
auch wenn andere anders denken,
sagen, was wir fühlen und denken,
was wir wünschen und brauchen.

Auch wir brauchen einen neuen Geist,
mit dem wir eine Atmosphäre schaffen,
da sich Mitmenschen sicher und geborgen fühlen,
sagen, was sie betrifft.
Wir müssen geduldig zuhören und verstehen,
unsere Verantwortung wahrnehmen
und tun, was wir können.

Auch wir brauchen einen neuen Geist,
der uns hilft eine Sprache zu finden,
die auf Floskeln verzichtet,
ehrlich und echt ist,
eine Sprache, die alle verstehen,
die berührt und bewegt,
ermutigt und Neues ermöglicht.



Neues Leben

Durch die Begegnung mit dir
habe ich gelernt,
mir zuzuhören,
mich anzunehmen,
meine Werte zu sehen
und mich an ihnen zu freuen.

Durch die Begegnung mit dir
wage ich immer mehr,
ich selbst zu sein,
selbst zu entscheiden,
meine Schwächen zuzugeben,
Grenzen zu setzen.

Durch die Begegnung mit dir
erlebe ich mich neu:
gegründet in Sicherheit,
geborgen in Wohlwollen,
bereit für Neues,
gestärkt für Schwieriges.

 


Fastenzeit

 

Nicht nur weniger essen

und mehr geniessen,

 

sondern vielleicht auch

 

weniger fernsehen

dafür miteinander weiter sehen;

weniger Radio hören,

dafür miteinander still werden;

weniger reden,

dafür mehr zuhören;

weniger unterwegs sein,

dafür mehr zu sich selbst kommen;

weniger Veranstaltungen besuchen,

dafür mehr Zeit für sich selbst haben.

 

Ganz einfach

weniger tun,

dafür mehr sein.

 

(Aus: "Kostbar", Fastenkalender 2012)

 

 


Ostern

Ich brauche immer wieder Menschen,

die den Stein wegrollen,

meine Enge sprengen.

Ich brauche immer wieder Menschen,

die den Stein wegrollen,

neues Leben ermöglichen.

Ich brauche immer wieder Menschen,

die zu mir ja sagen.

Ich brauche sie, diese Engel.


Ostern
Schlafendes aufwecken,
Schwaches stärken,
Lahmes beleben,
Angstvolle ermutigen,
Chancen wahrnehmen,
aufeinander zugehen,
zueinander stehen,
einander ernst nehmen,
miteinander Neues ermöglichen.


Pfingsten

Er freut sich auf Pfingsten,
den zusätzlichen freien Tag,
die Möglichkeit für einen Ausflug mit seiner neuen Freundin.
Er hofft auf schönes Wetter,
befürchtet erneut einen Stau, mit dem man offenbar rechnen muss.

Warum eigentlich Pfingsten?
Er weiss es nicht mehr genau,
mit dem kirchlichen Zeug kann er nichts anfangen,
erinnert sich aber noch an ein Bild, über das er damals gestaunt hat:
Die Apostel versammelt, alle mit einer Feuerzunge auf dem Kopf.
Es soll der Heilige Geist gewesen sein,
der sie total verändert,
begeistert und ermutigt hat,
allen von Jesus zu erzählen,
durch den die Welt neu wird.

Er lächelt, spöttelt gar.
Damit kann er nun wirklich nichts anfangen.
Sollen sie doch daran glauben, die Frommen,
wenn es ihnen gut tut.

Dann erzählt er von seiner Freundin,
die ihn total fasziniert.
Immer muss er an sie denken,
allen von ihr erzählen,
meine Flamme, nennt er sie.

Sie hat ihn verändert, er ist begeistert,
schreibt zum ersten Mal im Leben Gedichte,
kritzelt ihren Namen in den Sand,
verzichtet auf Treffen mit Kollegen, um mehr bei ihr zu sein,
schaut immer wieder ihr Bild an,
versucht zu spüren, was ihr gefällt,
erlebt Dinge, die er noch nie erlebt hat,
ist Feuer und Flamme.

So war es auch damals.
Die Apostel waren begeistert.
Warum denn spötteln über die Flamme,
 die sie ermutigt und bestärkt hat?


Neu leben

 

Ich konnte dein Ja zu mir,

dein Ja ohne Wenn und Aber
lange nicht glauben.


Zu oft hatte ich gehört,

ich dürfte nur mitmachen,

wenn…,

ich könne nur dabei sein,

wenn…
ich würde nur aufgenommen,

wenn…

 

Ich konnte nicht glauben,

dass es je anders würde.

 

All die verletzenden Vorbehalte,

all die harten Bedingungen,

all die lieblosen Forderungen,

nahmen mir Hoffnung und Mut,

den Glauben an mich selbst.

Deine herzliche Anteilnahme,

deine liebevolle Zuwendung,

dein feinfühliges Dasein,

deine unendliche Geduld

haben Verhärtungen aufgeweicht,
Selbstvertrauen geweckt und gestärkt,

neues Leben ermöglicht.


Erlöse uns von dem Übel…

von den perfektionistischen Mitmenschen,
die alles kontrollieren wollen
und nie zufrieden sind;

von den übergenauen Hausfrauen,
denen nichts wichtiger ist als Putzen
und deshalb nie fertig sind;

von den stets informierten Kollegen,
die auch wissen, was man nicht wissen kann
und es auch jenen erzählen, die es gar nicht wissen wollen;

von den überaus Redefreudigen,
die dauernd erzählen, was sie wissen und können,
aber selbst nicht zuhören,

von den Ungeduldigen,
denen alles zu langsam geht,
dauernd auf die Uhr schauen und vorwärts hetzen;

von den Pessimisten,
die überall Schwierigkeiten und Gefahren sehen,
deshalb nie Neues wagen;

von Neid und Geiz,
Überheblichkeit und Egoismus,
Intoleranz und Hetze.

Erlöse uns von all den Übeln
und gib uns Kraft,
das Gute zu sehen,
mit Fehlern zu rechnen,
Fortschritte zu würdigen,
Bemühungen zu anerkennen
und die Einsicht,
dass es auch an uns liegt,
wie viele Übel unser Zusammensein
belasten und schwierig machen.


Ich glaube,

dass in uns selbst steht,

was Leben wirklich ist,

wie wir es gestalten,

wie wir es erhalten können.

 

Ich glaube,

dass wir neuen Sinn finden,

wenn wir an unsere Träume glauben,

für unsere Visionen einstehen,

unserer Sehnsucht folgen.

 

Ich glaube,

dass es uns aufgegeben ist,

miteinander aufzubrechen,

das Wesentliche zu tun

und einfach zu sein.

 

Ich glaube,

dass unser

Leben göttlich wird,

wenn wir aufeinander zugehen,

einsetzen, was wir haben,

entfalten, was angelegt ist.

(Aus: „Die Wahrheit liegt in dir“, vergriffen)


Aufbrechen,

trotz aller Bedenken,

trotz aller Schwierigkeiten,

trotz aller Barrieren,

trotz aller Gefahren,

trotz aller Drohungen.

 

Trotz allem

an das Kind glauben,

dass wir letztlich sind,

--- gottgewollt.

 

(Aus: „Die Wahrheit liegt in dir“, vergriffen)


Ostern 2016

Jahrhundertelang haben Menschen gestritten,
und viele streiten noch heute darüber,
was es mit der Auferstehung auf sich hat.
Was die einen glauben
und als Grundlage ihrer Religion sehen,
belächeln andere,
und wieder andere
kümmern sich keinen Deut darum.

Ich streite nicht darüber,
bin überzeugt,
dass es auf uns alle,
 auf dich und mich ankommt,
ob sein Geist lebt,
durch uns wirksam ist,
ob auch heute Wunder geschehen.

Wenn wir einander so begegnen,
dass immer mehr Menschen 
wieder sagen, was ihnen wichtig ist,
auch wenn andere anders denken;
wieder einen Sinn sehen,
obwohl sie viel Schlimmes erleben mussten;
wieder etwas wagen,
obwohl sie oft belächelt wurden;
aufeinander zugehen,
miteinander anpacken,
füreinander da sind,
gemeinsam Neues ermöglichen,
dann ist Ostern.


Passion und Ostern

Jahrelang musste ich glauben,
dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde,
dass er Tote auferweckte,
leibhaftig auferstand
und einmal zur Rechten des Vaters sitzen werde.
Jahrelang wurde mir befohlen zu glauben,
was ich nicht glauben konnte.

Jahrelang hatte ich Schuldgefühle,
weil ich Gedanken dachte,
die man nicht denken darf;
Dinge wünschte,
die man nicht wünschen darf;
meinen Penis genauer anschaute und länger anfasste
als es unbedingt nötig war.

Jahrelang drohten mir hochwürdige Herren
mit dem Teufel und der Hölle,
wenn ich nicht machte, was sie verlangten,
und vorgaben, sie wüssten genau, was Gottes Wille sei.
Und ich erlebte trotz allem Beten und Bitten nicht,
dass das, was sie sagten und lebten
 frohe und befreiende Botschaft sei.

Seit ich glauben kann,
dass wir alle sein dürfen wie wir sind,
trage ich zu allem Sorge, was angelegt ist,
setze ich ein, was mir geschenkt ist,
danke ich für dieses Leben,
ahne ich, was frohe Botschaft sein könnte.

Ich bin überzeugt,
dass man Glaube nicht befehlen kann;
dass wir durch fordernde und fördernde Erfahrungen,
durch wohlwollende Begegnungen mit suchenden Menschen
nach und nach entdecken,
was letztlich wichtig ist.

Ich glaube und bin glücklich,
dass trotz aller hemmender Einflüsse
neues Leben möglich ist.


CREDO

Wie war es möglich, dass jene,
die sich auf den Mann von Nazareth beriefen,
den sie Retter und Erlöser nannten,
in dessen Nähe Verstummte wagten zu sprechen,
Menschen wieder neue Möglichkeiten sahen,
Niedergeschlagene sich wieder aufrichteten
und jene, die nicht mehr leben konnten,
weil sie sein mussten, was sie nicht waren,
neuen Lebensmut fanden,
eine Kirche gründeten,
die einengt und Angst macht,
Schuldgefühle einpflanzt
und einen strafenden Gott predigt?

Wie ist es möglich, dass jene,
die sich auch heute auf den Mann von Nazareth berufen,
den sie Retter und Erlöser nennen,
der wollte, dass wir ganz leben,
in dessen Nähe bis zum Schluss Frauen waren,
der sich seine Füsse salben liess,
eine Kirche leiten,
die Frauen von wichtigen Ämtern ausschliesst,
die Sexualität verteufelt,
vorschreibt, was Liebende dürfen,
Priestern das Heiraten verbietet,
und Priesterkinder verleugnet?

Wie ist es möglich, dass jene
die sich auch heute auf den Mann von Nazareth berufen,
den sie Retter und Erlöser nennen,
der mit Zöllnern und Huren zusammen sass,
die Schriftgelehrten eine Schlangenbrut nannte,
der ihnen sagte, wer ohne Sünde sei,
solle den ersten Stein werfen,
dem Vergebung grundlegend wichtig war,
heute bestimmen,
wer zu den Sakramenten darf und wer nicht;
was wir glauben müssen,
als ob man glauben befehlen könne;
wer zu dieser Kirche gehört und wer ausgeschlossen wird,
weil er selber denkt und manches nicht gutheisst?

Wie ist es möglich, dass jene
die sich noch heute auf den Mann von Nazareth berufen,
den sie Retter und Erlöser nennen,
der arm gekleidet auf die Menschen zuging
und einem Reichen sagte,
er solle alles verkaufen und es den Armen schenken,
wenn er in den Himmel kommen wolle,
in prunkvollen Kirchen
in Kleidern aus wertvollen Stoffen
und mit Ringen an den Fingern
sein Wort verkünden,
über das 
Reich Gottes predigen
und in Ritualen mit goldenen Gefässen
seiner gedenken?

 Ich kann nicht glauben,
dass der Mann von Nazareth eine solche Kirche wollte,
bin wie er  kritisch gegenüber den Gottesbesitzern,
die scheinbar genau wissen, was Gott will.

Ich glaube an einen väterlichen Gott,
der nicht nur Vergebung verlangt,
sondern auch barmherzig vergibt,
der zu mir ja sagt,
weil und wie ich bin.

Aktuelle Shop-Produkte



Proderstrasse 44

CH - 7320 Sargans

max.feigenwinter@gmx.net

081 723 45 53

Newsletter

Ihre Adresse wird vertraulich behandelt und Sie können den Newsletter jederzeit abbestellen.

 

Ältere Newsletter finden Sie im Newsletter-Archiv.

 

Jetzt für den Newsletter anmelden: